So, es ist wieder an der Zeit für einen Blogeintrag... und es ist einiges passiert in der Zwischenzeit.
Nach dem Jahresmeeting, war ich für ECD Arbeit eingetragen (Early Childhood Development), vergleichbar mit unserem Kindergarten, es hat sehr viel Spaß gemacht, ich habe viele Windeln gewechselt, Kinder verarztet, getröstet und natürlich gespielt.
Im allgemeinen ist es so, dass immer weniger unheilbar kranke Kinder bei Cotlands sind, ich habe erfahren, dass früher im Hospiz wirklich oft Kinder gestorben sind aber aufgrund der Tatsache, dass die ART (Antiretrovirale Therapie; dies ist die einzige Behandlung die das HI-Virus daran hindert auszubrechen und zu AIDS zu werden.) auch bei Kindern eingesetzt wird, Cotlands hat diese Therapie als erstes Weisenheim in SA an Kindern angewendet, können wesentlich mehr Kinder dem Tod entgehen. Im Hospiz sind heutzutage also nur noch die jüngsten Kinder, sprich Babys bis zu 1 Jahr, kranke und halt wirklich schwer eingeschränkte Kinder, die viel Pflege brauchen. Ich helfe also auch im Hospitz, wickel die Babies,füttere sie, ziehe sie an oder aus und erkunde die Welt mit ihnen.
Am Mittwochabend nach dem Fußball kam dann wieder einmal Ricky (einer der Fußballkollegen) mit zu uns aufn Bierchen.
Am Donnerstag hat Jade (sie ist zuständig für die Autos und das Essen bei Cotlands) unsere (Johannas und meine) Fahrtauglichkeit getestet, also Probefahrt in einem schönen Golf 2, der allerdings ein Innenleben wir ein Golf 4 hatte. Ich fühlte mich schon ein bisschen heimisch, auf jedenfall meisterten wir das beide gut, auch wenn ich ab und zu mal den Fensterheber anstatt der Gangschaltung in der Hand hatte, aber gut auf jedenfall dürfen wir jetzt die Cotlandsautos nutzen, wir werden aber bald nocheinmal von der Versicherung getestet.
Für Freitag hatten wir uns dann mit Anne, Phillip und Fred (andere deutsche AFS Volunteers) beim Soweto Festival verabredet und zum ersten Mal konnten wir mit dem Cotlandsauto fahren, ein 7 sitzer, weil der Golf einen Platten hatte, also fuhr ich dann mit null (Südafrika-) Fahrerfahrung nach Soweto, einiges zu Soweto: rote Ampeln gibt es so gut wie nicht (also gibt es schon aber gerade nachts ist es für weiße Leute ratsam einfach durchzufahren) alle fahren wie die besenkten und ich im Linksverkehr mit nem fetten Auto, es hat ein Paar Stunden gedauert bis wir das Festival endlich gefunden hatten. Zum ersten Mal trafen wir ein paar deutsche Freunde Philipp, Anne, Fred und Siabonga (den Gastbruder von Philipp), also Soweto Festival war nicht schlecht, es gab Schlangen, Musicakts, Tanzeinlagen und eine Menge einheimisches Essen. Siabonga wurde dann von seinen Freunden angerufen und sie erzählten ihm von einem Rekordversuch des lokalen DJ Black Coffee, der in der Maphonja Mall (Elefanten Mall) über 60 Stunden lang auflegen sollte, tat er dann auch. Wir sind also dahingefahren ganz afrikanisch mit 9 Leuten in einem 7 Sitzer, in der Maphonja Mall war es dann ein einziges Fest, die Einheimischen (alle waren schwarz, oder farbig) können einfach so gut tanzen, das unsere Tanzkünste dagegen wirklich peinlich aussahen, auf einmal haben eine Gruppe von Menschen angefangen die Thrillerkoreografie von Michael Jackson zu tanzen, es war einfach unglaublich geil. Wir wurden dann aber von Marcus einem von Siabongas Freunden aufefordert bzw. angehalten jetzt doch besser zu fahren, da es dukel wurde und wir ein recht gutes Auto voller weiße fuhren und Soweto bei Nacht dann nicht das beste Pflaster ist, wir befolgten also seinen Rat und fuhren gen Heim, nahmen aber Fred mit, weil er sonst keine Möglichkeit hatte nach Hause zu kommen. Wir hatten sowieso geplant am Sonntag alle gemeinsam zum Halbfinale des Nationalen Pokals ins SoccerCityStadium zugehen, Orlando Pirates gegen die Kaizer Chiefs.
Am Samstag dann schrieb Phillipp uns eine SMS das die Karten bei ihm schon ausverkauft seien, deshalb gingen wir dann nach Rossettenville zu unserm lokalen Ticketverkauf und kauften für alle Tickets. In Rosettenville kann man übrigens ohne Lizenz Waffen kaufen, soviel zur Sicherheitslage hier vor Ort, zu Fuß braucht man von Rosettenville zu uns 10 Minuten.
Später trafen wir uns dann mit Lea Gottwald, die ebenfalls hier wohnt allerdings in einer gefühlten komplett anderen Welt, der pure Luxus. Es war echt ein netter Tag und wir waren zusammen Essen in einer echt schönen Gegend. Wir werden Lea jetzt die nächste Zeit auch öfter mal mitnehmen.
Am Samstagabend waren wir (Fred, Danimar, Kailegh, Jen und ich ) noch zusammen einen trinken in einer nahe liegenden Bar.
Am Sonntag war dann also SoccerCity angesagt, Fred und ich kauften morgens um 10 Uhr Bier und Fleisch beim Metzger (in Deutschland wäre das Ding sofort vom Gesundheitsamt geschlossen worden, es hat so nach verdorbenem Fleisch gestunken)grillten und glühten vor. Um 13h machten wir uns auf den Weg und trafen viele Gleichgesinnte denen wir stumpf hinterher liefen, da wir kein Plan hatten wie wir zum Stadion kommen sollten. Nachdem wir ca. 30 Minuten lang vergeblich versucht hatten ein Minibustaxi zu finden, das 7 Personen in Richtung downtown mitnimmt, boten uns ein paar Südafrikanische Chiefsfans an ein Minibustaxi für 15 Rand (1,50 Euro) direkt zum Stadion zu organisieren. Eine Stunde später kam es dann auch endlich, als wir schon fast dabei waren ein richtiges Taxi zu rufen. Irgendwie kann man sich eben doch auf die Afrikaner verlassen. Achja die Stadionkarte hat unglaubliche 40 Rand (4Euro) gekostet.
Als wir endlich im Stadion angekommen waren, war es einfach ganz anders als in Deutschland viel friedlicher, wenn man bedenkt, das es ein Derby ist, viel mehr positive Stimmung, viel mehr Vuvuzelalärm anstatt Gesang (Man kann übrigens auch Richtige Melodien mit der Vuvuzelas erzeugen). Obwohl das Stadion sehr voll war gab es keine Platzkarten und man konnte sitzen, wo man wollte, funktionierte komischerweise, so wie einiges hier komischerweise funktioniert. Vor dem Stadion, bei den Colatürmen trafen wir Fred, Phillip, Marcus, Anne, Freddie(Afs), Swenja(AFS) und einen kanadischen Volunteer, der im selben Projekt wie Swenja ist. Es war echt ein geiles Erlebnis. Der Diebstahl meines Handys hat dann meine Stimmung kurzeitig ein wenig bedrückt, aber ich kam dann doch schnell drüber hinweg. Nach dem Spiel, welches die Kaizer Chiefs mit 1:0 verloren hatten verabschiedeten wir uns voneinander, und hofften, dass der Minibustaxifahrer uns wie versprochen auch wieder abholte, aber nix da. Richard ein schwarzer Fan, der schon mit uns zum Stadion gefahren war, wartete ebenso wie wir auf den Fahrer, der nicht kam. Viele Leute sprachen uns, die einzigen Weißen an und gaben uns ihre e-mail Adressen oder wollten ein Foto mit uns, leider konnte uns keiner mitnehmen, wir waren ja auch immerhin noch 9, also machte Richard sich auf die Suche nach einem Minibustaxi, welches uns mitnehmen kann, und es wurde langsam Nacht, und Soccer City liegt in Soweto (siehe oben, was das für ein Platz ist, nichts für Weiße wenn es dunkel ist), und nach der WM sind halt die normalen Busse genauso wie die geregelten Züge wieder verschwunden^^. Sprüche, wie seit ihr hier ohne Einheimische ja dann seit ihr am Arsch bekamen wir mit, und jeder wollte uns helfen aber keiner konnte bzw. tat es^^. Naja egal Richard fand kein Taxi und es war inzwischen stockdunkel, wir also, als einzige weiße hinter Richard hergedackelt, der verzweifelt versuchte ein Taxi zu organisieren, am Ende riefen dann Swenja, Freddie ( die noch nach Pretoria musste) und der Kanadier ein normales Taxi und wir 5 (die WG) dackelten weiter Richard hinterher, ohne Richard wäre es echt gruslig geworden aber er musste auch nach Turffontein und kannte den Weg mit den Minibustaxen. Wir liefen durch Johannesburg „Innenstadt“ aber es ist definitiv nicht vergleichbar mit deutschen Städten es gibt dort keine Läden, keine Beleuchtung oder so, nur den Minibustaxen Umschlagplatz unzählige dunkle Gassen und Straßenhändler, die nachts allerdings auch nicht mehr anzutreffen sind. Auf jedenfall wurden wir in den Minibustaxen auch nachts echt immer freundlich aufgenommen und die meisten musterten uns erstaunt, weil Weiße normalerweise nachts nicht mehr dieses Verkehrsmittel nutzen. Aber es klappte alles und wir kamen wieder für 1,50 € nach Hause und auch nachts fühlten wir uns nicht gerade bedroht im Minibus, auch wenn uns immer erzählt wurde Minibustaxen solle man lieber nicht benutzen erstrecht nicht als Weißer und erstrecht nicht nachts.
Johanna gab mir Montagmorgen dann liebenswürdigerweise ihre Vodacom Simkarte und ihr zweites Handy, sodass ich sehr schnell eine neue Nummer bekommen habe. Naja momentan mache ich auf der Arbeit eigentlich nur Exelkram zur Erfassung der Leistungen der Cotlands Kinder aus ganz Südafrika.
Heute am Mittwoch hatten Johanna und ich dann beide frei und wir wollten ins Apartheids Museum mit einem Cotlandsauto nur leider war Jade nicht anzutreffen. Schließlich riefen wir Dalton einen normalen Taxifahrer an, er fährt schon seit ewigen Zeiten die Volunteers von Cotlands zu guten Preisen überall hin, da er hier nebenan in Rosettenville wohnt. Wir gingen also ins Apardtheits Museum gegen 4, und ließen uns schön Zeit, später erfuhren wir dann, dass es um 5h schließe aber wir beeilten uns trotzdem nicht, da komischweise auch noch neue Leute reinkamen, deshalb gingen wir davon aus das um 5 letzer Einlass wäre, aber natürlich war dem dann nicht so und um Punkt 5h gingen alle Lichter aus und wir mussten gehen^^, müssen also nochmal hin und dann aber mit mehr Zeit ist nämlich echt ein saugutes, interessantes Museum. Dalton holte uns nach einem Anruf für afrikanische Verhältnisse recht zügig ab, vierzig Minuten später^^
Beim Einkaufen im KwikSpar bin ich dann so unglücklich umgeknickt, dass mit Fußball heute Abend erstmal nichts war, und Danimar mit Ricky alleine losgefahren ist. Morgen kommt ein neuer Volunteer: Emma, 40 Jahre alt, Irin, deshalb wurde heute unser Apartment auch wieder aufgeräumt.
Also bis demnächst war ja echt ein langer Bericht;-)
Paul
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